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DIE WELT: 10.03.10|

Kommentare: Märkte lassen sich nicht beherrschen

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Feindbild Spekulant

Die Finanzwirtschaft steht hierzulande stets unter Generalverdacht.Die letzten Krisen auf den globalisierten Märkten hat die Abneigung der Deutschen gegenüber dem quecksilbrig alerten Finanzmarkt verschärft.Deshalb lärmt aus deutschen Mündern besonders laut und schnell, die Spekulation, wo es irgend geht, zu regulieren, zu unterbinden oder exorbitant zu versteuern.Wirft die Newsweek Angela Merkel in ihrer jüngsten Titelgeschichte vor, eine Zeitlupen-Kanzlerin zu sein und die mögliche Führung in Europa abzulehnen, scheint dieses Verdikt zum falschen Zeitpunkt zu kommen. Relativ authentisch bemüht sich Merkel um Führung, wenn es um das Verbot des Handels mit Kreditausfallversicherungen geht.Der Spekulant begeistert als Feindbild und Sündenbock.

Von Ulf Poschardt

Die Finanzwirtschaft steht hierzulande stets unter Generalverdacht. Die letzten Krisen auf den globalisierten Märkten hat die Abneigung der Deutschen gegenüber dem quecksilbrig alerten Finanzmarkt verschärft.

Deshalb lärmt aus deutschen Mündern besonders laut und schnell, die Spekulation, wo es irgend geht, zu regulieren, zu unterbinden oder exorbitant zu versteuern. Wirft die Newsweek Angela Merkel in ihrer jüngsten Titelgeschichte vor, eine Zeitlupen-Kanzlerin zu sein und die mögliche Führung in Europa abzulehnen, scheint dieses Verdikt zum falschen Zeitpunkt zu kommen. Relativ authentisch bemüht sich Merkel um Führung, wenn es um das Verbot des Handels mit Kreditausfallversicherungen geht.

Der Spekulant begeistert als Feindbild und Sündenbock. Er hat keine Lobby. Die kurzfristige Anlegestrategie in Verbindung mit einer ausschließlich der kapitalistischen Ordnung von Gewinn und Verlust folgenden Logik erscheint als düstere, nihilistische Gestalt, die Staaten und Märkte in den Abgrund dirigieren kann. Dabei hat der Spekulant diese Möglichkeiten nur, weil der Euro-Raum sinnvolle Abwertungen nicht zulässt und sich der Markt andere Ventile sucht, um die einheitliche Euro-Zone differenziert zu bewerten und daran zu verdienen.

"Wir sind uns einig, dass wir Finanzspekulationen unterbinden müssen", erklärte die Kanzlerin gestern. Zu glauben, dass ein solches Verbot kommende Krisen verhindern könnte, ist wohl naiv. Ein bisschen Finanzmarkt gibt es nicht. Die Intelligenz des Spekulanten wird andere Ventile finden. Ihre Dynamik und Ungeduld ist auch ein Reflex auf die Stoik einer Zeitlupenpolitik. Die Verdienste dieser Akteure des Finanzmarktes werden ignoriert: Sie sind der Turbo lahmer Volkswirtschaften.


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